Eid Ul Fitri – Das Ende von Ramadan

Ramadan. Der muslimische Fastenmonat. Damit kommt man zuhause schon das ein oder andere Mal in Berührung, trotzdem ist es in einem großteils muslimischen Land eine ganz andere Hausnummer und eine komplett neue Erfahrung für mich.

Was bedeutet das eigentlich? Einen Monat lang wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet. Essen, Trinken, Böse Gedanken, Liebkosungen.

Wie sah das für mich aus? Die ersten paar Tage gar nicht gut. Unsere liebenswerte Restaurantcrew, als auch unsere beiden lokalen Diveguides, sind am Ende. Zwischen dem Bedienen der Kunden liegen sie über Stühlen, die Augen nur halb offen und reagieren nur auf jeden zweite Ansprache. Die eh schon dünnen Indonesier haben nun noch eingefallenere Wangen und die Ärmchen verlieren noch die letzten Zentimeter an Umfang. Unsere Diveguides reduzieren ihre Tauchgänge von 2 auf 1 pro Tag und ich frag mich immer noch, wie sie überhaupt den einen hinkriegen. Seit morgens keinen Schluck Wasser – jeder weiß, wie dehydriert und durstig man nach einem Tauchgang ist. Die Jungs müssen bis abends warten.

Berbuka pasa = Fasten brechen

Nach Sonnenuntergang wird das Fasten gebrochen. Meine Hausherrin lädt mich ein, mit ihrer Familie zu essen und ich komme gern. Die genaue Uhrzeit erfahren wir per App „Muslim Pro“, zuerst wird gegessen und anschließend gebetet. Was mich verwundert ist die Vielzahl der Gerichte: mindestens 6 verschiedene Hauptspeisen werden mir angeboten. Ob das jetzt an meinem Besuch liegt oder immer so ist, kann ich nicht sagen. Fakt ist jedoch: wir schaffen es nichtmal die Hälfte der leckeren Dinge zu essen. Auch nach dem Essen sitzen wir noch lange auf dem Boden der Terrasse und unterhalten uns über religiöse Unterschiede. Ein schöner Abend.

Für Touristen auf Gili Air bedeutet Ramadan – zwischen 5 – 7 können Restaurants und Geschäfte geschlossen sein. Für den Großteil ist es in Ordnung, jedoch treffe ich auch Leute, die sich darüber beschweren. Es sei doch eine Urlaubsinsel, da müsste man auch etwas um diese Zeiten anbieten. Was man darüber denkt, muss jeder für sich selbst ausmachen. 

Mein persönliches Highlight ist jedoch die Einladung von meinem Freund Giok, den Abend des Ramadan in seiner Heimatstadt Selong (Ost-Lombok) zu verbringen. Wir treffen uns im Lomboker Hafen „Bangsal“, welchen man von Gili Air mit dem Public Boat in 20 Minuten erreicht. Es geht zu wie verrückt. Wir schnappen uns das letzte Taxi und fahren für 20 Euro gute 2 Stunden an das andere Ende der Insel. 

Angekommen in Selong tummeln wir uns durch Menschenmengen und direkt bei der Ankunft wird klar: Touristen gibt es hier nicht. In der ganzen Stadt gibt es zwei Hotels unterster Kategorie für einen ziemlich saftigen Preis. Aber mir bleibt ja nichts übrig. In der Stadt selbst erlebe ich zum zweiten Mal nach meinem Aufenthalt in Sorong, was es heißt, anders zu sein. Es ist super viel los und jeder starrt mich an. Wurde ich in West Papua herzlich als „Ausländer“ aufgenommen und um Millionen Fotos gebeten, ist man hier viel zurückhaltender. Gefühlt werde ich kritisch beäugt, auch wenn mein Freund meint, dass die Leute hier nur schüchterner sind. Wir drängen uns durch Massen in der Einkaufsmeile und er übergibt mich an eine Verkäuferin, um ein passendes traditionelles Outfit für den morgigen Tag zu kaufen. Wir finden dicke Hosen und viel zu lange Oberteile. Als man mir ein Hijab andrehen möchte und die Mädels ganz aus dem Häuschen sind, wie schön ich doch damit wäre, wird’s mir ein bisschen zu viel. Ich lehne dankend ab und sage Giok, er soll mich bitte hier nicht allein lassen. 

Die Party abends besteht aus vielen Feuerwerken, selbstgebauten Moscheen, die die Straße entlang getragen werden, Gebeten und Glückwünschen. Gegen Mitternacht treffen wir uns mit seinen Freunden, die mich trotz Sprachbarriere herzlich aufnehmen. Wir essen Nasi Campur auf dem Boden eines Betonplatzes, einer der Jungs spielt auf seiner Gitarre und alle singen mit. Gegen 2 endet die Party für mich, morgen früh geht es zum Frühstück mit der ganzen Familie.

Am nächsten Morgen dick eingepackt in traditioneller Kleidung schwitze ich schon, bevor wir das Haus verlassen. Auf der Straße werde ich wieder verwundert angesehen – im Gegensatz zu gestern fragen die Leute diesmal jedoch nach Fotos. Ob das an der Kleidung liegt? Im Zuhause der Großeltern angekommen wird die Rollenverteilung schnell klar: die Frauen und Kinder sitzen im Haus bei Tee und Keksen, die Männer sind draußen und unterhalten sich. Für mich eine merkwürdige Konstellation eines Familienzusammentreffs. Ich würde mich gern mehr mit ihnen unterhalten, aber selbst Google Translate hat hier manchmal seine Grenzen. An Gastfreundschaft mangelt es jedoch nicht – mein Kaffee ist noch nicht leer, schon wird mir der nächste hingestellt. Auch selbstgebackene Plätzchen werden mir im Minutentakt vor die Nase geschoben. Ich lerne, dass man zur Begrüßung die Hand der älteren Person gegen seine eigene Stirn hält und die Kinder der Familie machen das selbe mit mir.

Die größte Differenz ist wohl auch die Art zu Leben. Es ist nicht direkt dreckig, aber es ist anders, als alles was wir Westler (von den Locals „Bule“ genannt) kennen. Man sitzt auf alten Teppichen am Boden, die Schränke sind zum Teil mehr als kaputt, die Küchenutensilien findet man zum Teil im Hof auf einem Regal. Gekochter Reis hängt in Bananenblättern von der Decke. Ich verbringe die letzten Stunden meines Aufenthalts mit Giok und seinen Freunden. Einer von ihnen erzählt mir, er wurde vor kurzem verlassen, weil ein anderer aus dem Dorf ein schöneres Haus hat. Mir wird immer mehr bewusst, wie unterschiedlich unsere Leben sind und ich bin dankbar für diesen kleinen Einblick in ein lokales Leben und das Ende von Ramadan.

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